Design-Thinking mit den Netzentdeckern: Die Macht der gelben Zettel

Vor einigen Wochen lernten wir die Netzentdecker kennen – eine kleine Truppe um Journalist Hajo Schumacher, die es sich im Auftrag der Brost-Stiftung zur Mission gemacht hat, der Boomer-Generation das Thema Digitalisierung näher zu bringen. Keine einfache Aufgabe – denn welche Themen interessieren sie wirklich? Wie erreicht man sie am besten? Über welche Kanäle & Formate? Ideen dazu gibt es viele – aber die Antwort darauf kann nur einer liefern: der Nutzer. Daher gab es für die Netzentdecker einen Crashkurs in Design-Thinking. Über die Ergebnisse schreibt Autor Hajo Schumacher in seiner Kolumne.

Die Macht der gelben Zettel

Genau so habe ich mir meine Entdeckungsreise nach Digitalien vorgestellt: Sechs junge, gut aussehendeMenschen und ich treffen sich zu einem Video-Workshop. Wir wollen unser kleines Online-Portal https://www.netzentdecker.de wachsen lassen: mehr Leser, mehr Klicks, endlich Global Player. Wir werden Techniken aus dem Design Thinking anwenden, eine Methode, mit der Struktur ins Denken kommt. Keine Monologe vom Chef. Alle auf Augenhöhe. Maximal drei Stunden. Und jede Menge gelber Klebezettel, die sich auch im Internet an eine Tafel kleben lassen. Wir Netzentdecker wollen noch mehr Aufmerksamkeit für unsere Webseite. Jo von der Berliner Digital-Beratungsfirma etventure peitscht uns durch die Fragen: Warum sollte wer unsere Webseite besuchen? Welche Ressourcen haben wir? Stimmen die Themen? Was wissen wir über die Kundschaft? Noch dreißig Sekunden. Jeder Gedanke auf einen gelben Zettel. Dann ordnen. Mit Punkten bewerten. Die beste Idee rauspicken und weiterverfolgen. Nächste Runde. Und immer an die Regeln halten: Gequatscht wird nur das Nötigste, als höflich gilt, wer sich stumm schaltet. Keiner verkrümelt sich, alle machen mit. Wer was beitragen will, hebt die Hand.

Design Thinking wird zum Beispiel vom Software-Haus SAP eingesetzt. Mitgründer Hasso Plattner lässt die Studenten seiner Hochschule in Potsdam mit der Methode Produkte und Anwendungen entwickeln. Es geht um Teamarbeit, nie um ein Solo der Lauten. Knappe Zeit, wechselnde Gruppen, immer neue Fragen halten den Druck hoch. Faszinierend, wie sich scheinbar Zusammenhangloses fügt.

Ergebnis nach drei erschöpfenden Stunden: Wir müssen an unsere Kunden ran, keine Ausreden. Weil wir zu wenig wissen über die Bedürfnisse der Zielgruppe, müssen wir Marktforschung betreiben: Was wollen die Leute? Hausaufgabe bis Mitte Mai: Interviews führen mit Menschen über 50, die sich für Internet-Themen interessieren. Wenn Sie also bis hierhin gelesen haben und eine halbe Stunde am Telefon entbehren können, dann melden Sie sich unter info@netzentdecker.de. Sie könnten Teil einer Erfolgsstory werden.

Teil II mit den Ergebnissen der Umfrage folgt…

Über Hajo Schumacher:
Hajo Schumacher studierte Journalistik, Politologie und Psychologie. Der 55-Jährige warRedakteur beim Spiegel und Chefredakteur von Max. Heute arbeitet er als freier Journalist, Buchautor und Moderator